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Nicht nur in Deutschland wird gegen eine
Ökonomisierung der Bildung, ihre Ausrichtung am Arbeitsmarkt und den
Firmen, gekämpft, sondern auch in anderen Ländern. Dies ist ein
internationales Problem, bei dem Studiengebühren nur ein Symptom sind.
Frankreich
In Frankreich fanden zwischen Januar und Mai 2005 massive
(Ober-)Schülerproteste statt. Ausdruck des Protests waren unter Anderem
mehrere Großdemonstrationen und Besetzungen, auf die Regierung und
Polizei oft mit Gewalt reagierten.
Grund für die Proteste war ein Gesetzentwurf zur Schulreform,
eingebracht von Frankreichs damaligem Bildungsminister Fillon,
der Teil der vor kurzem abgesetzten Regierung Raffarin war. In dem
Gesetzentwurf ging es um eine Einschränkung des Fächerangebots der
Schulen auf auf dem Arbeitsmarkt relevante Kompetenzen und damit auch
um den Wegfall wirtschaftlich unrentabler Fächer wie Musik und Kunst.
Das Gesetz wurde Ende März im Parlament verabschiedet
Doch trotz der Verabschiedung des Gesetzes ist der Protest nicht
erlahmt. Anfang April fand in Paris eine Großdemonstration statt. Etwa
20.000 Schüler und Lehrer, auch Eltern, Studierende und junge
Wissenschaftler bildeten die größte regionale Demonstration seit Beginn
der Proteste im Januar. Im übrigen Land gab es Demonstrationen mit
insgesamt ca. 50 000 Teilnehmern.
Etwa eine Woche später fanden landesweit Besetzungen von Oberschulen
und Ministerien und Demonsrationen von Schülern statt. Die Besetzungen
wurden teils gewaltsam niedergeschlagen, Misshandlungen seitens der
Polizei, staatliche Repression und Polizeigewalt gegen Protestierende
und grundlose Festnahmen bei Demonstrationen und das Zwingen einzelner
Schüler zu Geständnissen waren keine Ausnahmen. Lehrergewerkschaften
und Elternverbände verurteilten die Besetzungen teilweise, einige
setzten sich aber auch für die Schüler ein; manche verurteilten
gleichermaßen die Besetzungen wie das brutale Vorgehen der Polizei.
Die Protestierenden setzten bei ihren Aktionen auf eine Rücknahme des
Gesetzes wegen großen öffentlichen Drucks, so geschehen z. B. bei einem
Schulgesetz 1986.
Fillon zeigte sich vor der Auflösung der Regierung
verhandlungsbereit, wollte zunächst lediglich Studierende als
Hilfskräfte an Schulen einstellen und über "demokratische Räume" im
Schulalltag verhandeln, also hauptsächlich die Protestierenden
ruhigstellen und nichts an der Substanz des Gesetzes verändern.
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Da momentan in Frankreich Abitur geschrieben wird und das Schuljahr
bald zu Ende ist, ruhen die Proteste zurzeit; Die Akteure hoffen
aber, dass sie im nächsten Schuljahr weitergehen. Wie die neue
Regierung mit der Sache umgeht, bleibt abzuwarten.
Marokko
Zwischen Dezember 2004 und März 2005 gab es an marokkanischen
Universitäten zu Streiks und zu einem zweimaligen Prüfungsboykott der
Studierenden in Marakesch, Oujda und Fes.
Grund für die Proteste ist eine geplante Reform der Hochschulen.
Marokkos Universitäten sollen auf Druck der Weltbank bis zum Jahr 2010
privatisiert werden. Außerdem ist geplant, das Prüfungssystem zu
verschärfen: Nur wer regelmäßig zu den Vorlesungen geht, wird
zugelassen; Studierenden, die nebenbei arbeiten müssen, um sich ihren
Lebensunterhalt zu verdienen, ist das unmöglich. Auch die Einführung
von Studiengebühren ist seit zwei Jahren geplant, konnte aber bisher
durch den Druck der Proteste verhindert werden.
An der Universität von Fes geht der Prüfungsboykott weiter. Auch haben
hier Studierende mit einem Hungerstreik begonnen, 197 weitere haben
sich ihnen angeschlossen. Stand dieser Angaben ist der 27. 05. 2005.
Die Hungerstreikenden fordern neben dem Stopp der Reform auch
Freilassung von 8 Kommilitonen aus Marakesch, die wegen der Proteste
festgenommen wurden.
Wir sind also nicht allein. In anderen Staaten gibt es ähnliche
Probleme mit einer Ökonomisierung des Bildungswesens, und auch dort
wird gekämpft, obwohl dort teilweise härtere Repressionsmaßnahmen zu
fürchten sind als hier. Auch sie geben die Hoffnung nicht auf und
erzielen Teilerfolge. Bleibt zu hoffen, dass die Bewegungen in allen
Ländern noch mehr Erfolge erzielen: für eine freie, jedem zugängliche
und kritische und unabhängige Bildung. |