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Internationale Bildungsproteste Drucken E-Mail
Geschrieben von Tobias   
Sonntag, 05 Juni 2005
Nicht nur in Deutschland wird gegen eine Ökonomisierung der Bildung, ihre Ausrichtung am Arbeitsmarkt und den Firmen, gekämpft, sondern auch in anderen Ländern. Dies ist ein internationales Problem, bei dem Studiengebühren nur ein Symptom sind.
Frankreich

In Frankreich fanden zwischen Januar und Mai 2005 massive (Ober-)Schülerproteste statt. Ausdruck des Protests waren unter Anderem mehrere Großdemonstrationen und Besetzungen, auf die Regierung und Polizei oft mit Gewalt reagierten.

Grund für die Proteste war ein Gesetzentwurf zur Schulreform, eingebracht von Frankreichs damaligem  Bildungsminister Fillon, der Teil der vor kurzem abgesetzten Regierung Raffarin war. In dem Gesetzentwurf ging es um eine Einschränkung des Fächerangebots der Schulen auf auf dem Arbeitsmarkt relevante Kompetenzen und damit auch um den Wegfall wirtschaftlich unrentabler Fächer wie Musik und Kunst. Das Gesetz wurde Ende März im Parlament verabschiedet

Doch trotz der Verabschiedung des Gesetzes ist der Protest nicht erlahmt. Anfang April fand in Paris eine Großdemonstration statt. Etwa 20.000 Schüler und Lehrer, auch Eltern, Studierende und junge Wissenschaftler bildeten die größte regionale Demonstration seit Beginn der Proteste im Januar. Im übrigen Land gab es Demonstrationen mit insgesamt ca. 50 000 Teilnehmern.

Etwa eine Woche später fanden landesweit Besetzungen von Oberschulen und Ministerien und Demonsrationen von Schülern statt. Die Besetzungen wurden teils gewaltsam niedergeschlagen, Misshandlungen seitens der Polizei, staatliche Repression und Polizeigewalt gegen Protestierende und grundlose Festnahmen bei Demonstrationen und das Zwingen einzelner Schüler zu Geständnissen waren keine Ausnahmen. Lehrergewerkschaften und Elternverbände verurteilten die Besetzungen teilweise, einige setzten sich aber auch für die Schüler ein; manche verurteilten gleichermaßen die Besetzungen wie das brutale Vorgehen der Polizei.

Die Protestierenden setzten bei ihren Aktionen auf eine Rücknahme des Gesetzes wegen großen öffentlichen Drucks, so geschehen z. B. bei einem Schulgesetz 1986.

Fillon  zeigte sich vor der Auflösung der Regierung verhandlungsbereit, wollte zunächst lediglich Studierende als Hilfskräfte an Schulen einstellen und über "demokratische Räume" im Schulalltag verhandeln, also hauptsächlich die Protestierenden ruhigstellen und nichts an der Substanz des Gesetzes verändern.
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Da momentan in Frankreich Abitur geschrieben wird und das Schuljahr bald zu Ende ist, ruhen die Proteste zurzeit;  Die Akteure hoffen aber, dass sie im nächsten Schuljahr weitergehen. Wie die neue Regierung mit der Sache umgeht, bleibt abzuwarten.


Marokko

Zwischen Dezember 2004 und März 2005 gab es an marokkanischen Universitäten zu Streiks und zu einem zweimaligen Prüfungsboykott der Studierenden in Marakesch, Oujda und Fes.

Grund für die Proteste ist eine geplante Reform der Hochschulen. Marokkos Universitäten sollen auf Druck der Weltbank bis zum Jahr 2010 privatisiert werden. Außerdem ist geplant, das Prüfungssystem zu verschärfen: Nur wer regelmäßig zu den Vorlesungen geht, wird zugelassen; Studierenden, die nebenbei arbeiten müssen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, ist das unmöglich. Auch die Einführung von Studiengebühren ist seit zwei Jahren geplant, konnte aber bisher durch den Druck der Proteste verhindert werden.

An der Universität von Fes geht der Prüfungsboykott weiter. Auch haben hier Studierende mit einem Hungerstreik begonnen, 197 weitere haben sich ihnen angeschlossen. Stand dieser Angaben ist der 27. 05. 2005. Die Hungerstreikenden fordern neben dem Stopp der Reform auch Freilassung von 8 Kommilitonen aus Marakesch, die wegen der Proteste festgenommen wurden.


Wir sind also nicht allein. In anderen Staaten gibt es ähnliche Probleme mit einer Ökonomisierung des Bildungswesens, und auch dort wird gekämpft, obwohl dort teilweise härtere Repressionsmaßnahmen zu fürchten sind als hier. Auch sie geben die Hoffnung nicht auf und erzielen Teilerfolge. Bleibt zu hoffen, dass die Bewegungen in allen Ländern noch mehr Erfolge erzielen: für eine freie, jedem zugängliche und kritische und unabhängige Bildung.
Letztes Update ( Dienstag, 07 Juni 2005 )
 
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