spacer
spacer search

Bildung schadet nicht
Kritische Bildung in Braunschweig und anderswo

Search
spacer
header
 
Bildung schadet nicht
wieso nicht?
Bildungswiki
Startseite
Links
News
Kontakt
Impressum
Themen
Hochschulpolitik
Bildungspolitik allg.
Sozialpolitik
Sonstiges
Links
Material
Nachrichtenarchiv
Archiv
Aktionstag
Proteste
Aktion UBERWACH!
Home arrow Bildungspolitik allg. arrow Clusterbildung -oder: wie man Kürzungen auch nennen kann

Clusterbildung -oder: wie man Kürzungen auch nennen kann Drucken E-Mail
Geschrieben von M.   
Samstag, 21 Mai 2005

Im Zuge des weiteren Zusammenwachsens Europas wird jetzt immer stärker von Clustern gesprochen. Dies sind nicht etwa die bekannten Conflakes, sondern so werden Anhäufungen von  Kompetenzen bezeichnet, die meist aus gegebenen Infrastrukturen entstehen. Ein Beispiel hierfür ist das Ruhrgebiet mit seiner Annsammlung von Industriebetrieben.

Für den Bildungsbereich heißt dies übersetzt, dass ein Cluster eine Anhäufung von Kompetenzen in Form von guten Professoren und anderen Dozenten, Labore, Zuliefer- bzw. Möglichkeiten für Fächerübergreifendes, einem guten Ruf etc. ist. Die Landesregierung in Niedersachsen möchte dieses nun ausnutzen, um Kompetenzzentren bzw. Cluster zu bilden und läd dazu am 25.5.2005 die Universitäten Göttingen, Hannover, Braunschweig und Clausthal-Zellerfeld ins Ministerium für Wissenschaft und Kultur ein.

Was sich schön anhört, hat eigentlich mal wieder nur einen Zweck...

 

  

 

Am 25.5.2005 steht im Ministerium eine Clusterbildungkonferenz an, bei der zunächst die Präsidenten der Universitäten von Hannover, Braunschweig, Göttingen und Clausthal-Zellerfeld geladen sind. Es geht darum die Kompetenzen der einzelnen Hochschulstandorte zu ermitteln, um daraus Cluster zu bilden. Wenn sich so zum Beispiel eine Hochschule besonders geeignet für den Bereich Maschinenbau zeigt, so müssen die anderen Hochschulen Kompetenzen an diese Hochschule abgeben, um diese zum absoluten Kompetenzzentrum werden zu lassen.

Dies klingt einem nicht ganz unbekannt, wenn man das Exzellenzförderungsprogramm unserer Bundesregierung verfolgt hat, bei dem es auch um die gezielte finanzielle Förderung von zehn Hochschulen in Deutschland gehen sollte –sogenannten Eliteuniversitäten nach amerikanischem Vorbild.

Der Ansatzpunkt ist allerdings ein anderer. Es wäre ansonsten auch verwunderlich, denn einige unionsgeführte Länder brachten die Exzellenzförderung vorerst zum Scheitern.

Man kann mit Hilfe von Clusterbildung sehr einfach und effektiv Geld sparen und dies dazu als Spitzenförderung verkaufen. Werden nämlich einer Hochschule Kompetenzen abgesprochen zum Beispiel in Form von Dozentenstellen, Studierendenzahlen und Mittel für Ausstattung, so müssen diese in dem Maße nicht am Kompetenzzentrum wieder auftauchen.

Dies macht sich doch gut, wenn einem jetzt sogar der Bund der Steuerzahler auf den Pelz rückt und allen Ernstes fordert, nicht ausgelastete Hochschulen zu schließen (wo gibt es die? Braunschweig läuft in manchen Fachbereichen mit dreifacher Kapazität!).

An der TU Braunschweig sind es die Fachbereiche/ Fakultäten 2, 9 und 10 die vielleicht nicht komplett dicht gemacht werden, aber in denen viele Studiengänge geschlossen bzw. an andere Hochschulen verlagert werden. Wenn jetzt Studierende denken, dass gab es schon mal beim HOK 1 und war dann doch nicht so schlimm, dann muss diesmal leider darauf hingewiesen werden, dass bei der Clusterbildung direkt Entscheidungen getroffen werden. Es werden jetzt definitiv Verlagerungen beschlossen. Eine Ausbetreuung ist zwar, wie gesetzlich vorgeschrieben, gewährleistet, aber dies kann natürlich auch an einem anderen Hochschulstandort passieren. Ausbetreuung bedeutet auch nicht, dass es genügend Dozenten für Prüfungen, Magister- Examens- oder Diplomarbeiten geben muss. Studierende der Fachbereiche 9 und 10 kennen jetzt schon die Problematik des derzeitigen Aufkommens an Studierenden pro Dozenten, wodurch bereits bis 1,5 Jahre vor Prüfungstermin der Run auf die Dozenten losgeht –verbunden mit genervten Dozenten und ständig überfüllten Sprechstunden. 

Die Clusterbildung ist eine weitere Stufe des HOK (Hochschuloptimierungskonzept), bei dem zunächst offen den Hochschulen Gelder gestrichen wurden und jetzt auf verstecktem Wege wieder Geld gestrichen wird. Schon beim HOK 1 ging es um die Schließung von Studiengängen, allerdings hat man dann doch die Summe auch aufgrund zahlreicher Proteste auf alle Fachbereiche umgelegt. Nun spricht man nicht mehr von Schließungen, sondern von Kompetenzverschiebungen. Dagegen zu sprechen, gestaltet sich natürlich schon schwieriger, aber da ist ja auch noch die Sache mit dem Universitätsstatus. So müssen an einer Universität auch die wenig lukrativen Geisteswissenschaften vertreten sein.

Zwar bekennt sich zum Beispiel der Präsident  der TU Braunschweig zu seinen Geisteswissenschaftlern, würde sie aber lieber als Zulieferer für seinen von ihm definierten Kernbereich der Ingenieurwissenschaften sehen. Jedenfalls wird der Bereich der Geisteswissenschaften zusammenschrumpfen und das Ministerium möchte anscheinend lieber keine Zulieferer, sondern nur den eigenständigen Lehramtsbereich, wie man allein anhand der Stellenneubesetzungen ablesen kann.  Dabei muss man sich allerdings fragen, ob nicht auch gerade die Studierenden des Lehramts von Fachwissenschaftlern profitieren und umgekehrt.

Somit schließt sich der Kreis, denn durch eine Clusterbildung werden eher Kompetenzen verloren gehen, als dass neue entstehen oder eine alte wenigstens verstärkt wird. Denn jeder Studierende profitiert von einem breiten Angebot an seiner Hochschule, denn nur wer auch über seinen Tellerrand schaut, kann auf seinem Fachgebiet wahre Leistung vollbringen.

Letztes Update ( Sonntag, 19 Oktober 2008 )
 
< zurück
Interessantes

 
 
© 2012 Bildung schadet nicht
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.
spacer