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Im Zuge des weiteren Zusammenwachsens Europas wird jetzt
immer stärker von Clustern gesprochen. Dies sind nicht etwa die bekannten
Conflakes, sondern so werden Anhäufungen von
Kompetenzen bezeichnet, die meist aus gegebenen Infrastrukturen
entstehen. Ein Beispiel hierfür ist das Ruhrgebiet mit seiner Annsammlung von
Industriebetrieben.
Für den Bildungsbereich heißt dies übersetzt, dass ein
Cluster eine Anhäufung von Kompetenzen in Form von guten Professoren und
anderen Dozenten, Labore, Zuliefer- bzw. Möglichkeiten für
Fächerübergreifendes, einem guten Ruf etc. ist. Die Landesregierung in
Niedersachsen möchte dieses nun ausnutzen, um Kompetenzzentren bzw. Cluster zu
bilden und läd dazu am 25.5.2005 die Universitäten Göttingen, Hannover, Braunschweig und Clausthal-Zellerfeld ins Ministerium für Wissenschaft und Kultur ein.
Was sich schön anhört, hat eigentlich mal wieder nur einen
Zweck...
Am 25.5.2005 steht im Ministerium eine
Clusterbildungkonferenz an, bei der zunächst die Präsidenten der Universitäten
von Hannover, Braunschweig, Göttingen und Clausthal-Zellerfeld geladen sind. Es
geht darum die Kompetenzen der einzelnen Hochschulstandorte zu ermitteln, um
daraus Cluster zu bilden. Wenn sich so zum Beispiel eine Hochschule besonders
geeignet für den Bereich Maschinenbau zeigt, so müssen die anderen Hochschulen
Kompetenzen an diese Hochschule abgeben, um diese zum absoluten
Kompetenzzentrum werden zu lassen.
Dies klingt einem nicht ganz unbekannt, wenn man das
Exzellenzförderungsprogramm unserer Bundesregierung verfolgt hat, bei dem es
auch um die gezielte finanzielle Förderung von zehn Hochschulen in Deutschland
gehen sollte –sogenannten Eliteuniversitäten nach amerikanischem Vorbild.
Der Ansatzpunkt ist allerdings ein anderer. Es wäre
ansonsten auch verwunderlich, denn einige unionsgeführte Länder brachten die
Exzellenzförderung vorerst zum Scheitern.
Man kann mit Hilfe von Clusterbildung sehr einfach und
effektiv Geld sparen und dies dazu als Spitzenförderung verkaufen. Werden
nämlich einer Hochschule Kompetenzen abgesprochen zum Beispiel in Form von
Dozentenstellen, Studierendenzahlen und Mittel für Ausstattung, so müssen diese
in dem Maße nicht am Kompetenzzentrum wieder auftauchen.
Dies macht sich doch gut, wenn einem jetzt sogar der Bund
der Steuerzahler auf den Pelz rückt und allen Ernstes fordert, nicht
ausgelastete Hochschulen zu schließen (wo gibt es die? Braunschweig läuft in
manchen Fachbereichen mit dreifacher Kapazität!).
An der TU Braunschweig sind es die Fachbereiche/ Fakultäten
2, 9 und 10 die vielleicht nicht komplett dicht gemacht werden, aber in denen
viele Studiengänge geschlossen bzw. an andere Hochschulen verlagert werden.
Wenn jetzt Studierende denken, dass gab es schon mal beim HOK 1 und war dann
doch nicht so schlimm, dann muss diesmal leider darauf hingewiesen werden, dass
bei der Clusterbildung direkt Entscheidungen getroffen werden. Es werden jetzt
definitiv Verlagerungen beschlossen. Eine Ausbetreuung ist zwar, wie gesetzlich
vorgeschrieben, gewährleistet, aber dies kann natürlich auch an einem anderen
Hochschulstandort passieren. Ausbetreuung bedeutet auch nicht, dass es genügend
Dozenten für Prüfungen, Magister- Examens- oder Diplomarbeiten geben muss.
Studierende der Fachbereiche 9 und 10 kennen jetzt schon die Problematik des
derzeitigen Aufkommens an Studierenden pro Dozenten, wodurch bereits bis 1,5
Jahre vor Prüfungstermin der Run auf die Dozenten losgeht –verbunden mit
genervten Dozenten und ständig überfüllten Sprechstunden.
Die Clusterbildung ist eine weitere Stufe des HOK (Hochschuloptimierungskonzept),
bei dem zunächst offen den Hochschulen Gelder gestrichen wurden und jetzt auf
verstecktem Wege wieder Geld gestrichen wird. Schon beim HOK 1 ging es um die
Schließung von Studiengängen, allerdings hat man dann doch die Summe auch
aufgrund zahlreicher Proteste auf alle Fachbereiche umgelegt. Nun spricht man
nicht mehr von Schließungen, sondern von Kompetenzverschiebungen. Dagegen zu
sprechen, gestaltet sich natürlich schon schwieriger, aber da ist ja auch noch
die Sache mit dem Universitätsstatus. So müssen an einer Universität auch die
wenig lukrativen Geisteswissenschaften vertreten sein.
Zwar bekennt sich zum Beispiel der Präsident der TU Braunschweig zu seinen
Geisteswissenschaftlern, würde sie aber lieber als Zulieferer für seinen von
ihm definierten Kernbereich der Ingenieurwissenschaften sehen. Jedenfalls wird
der Bereich der Geisteswissenschaften zusammenschrumpfen und das Ministerium
möchte anscheinend lieber keine Zulieferer, sondern nur den eigenständigen
Lehramtsbereich, wie man allein anhand der Stellenneubesetzungen ablesen
kann. Dabei muss man sich allerdings
fragen, ob nicht auch gerade die Studierenden des Lehramts von
Fachwissenschaftlern profitieren und umgekehrt.
Somit schließt sich der Kreis, denn durch eine Clusterbildung
werden eher Kompetenzen verloren gehen, als dass neue entstehen oder eine alte
wenigstens verstärkt wird. Denn jeder Studierende profitiert von einem breiten
Angebot an seiner Hochschule, denn nur wer auch über seinen Tellerrand schaut,
kann auf seinem Fachgebiet wahre
Leistung vollbringen. |