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Bericht vom bundesweiten
Vernetzungstreffen in Frankfurt und den vergangenen und kommenden
Protesten gegen Studiengebühren.
Angereist war ich nach Frankfurt mit
der Hoffnung neue Kontakte zu Aktiven zu knüpfen und alte zu
erneuern. Außerdem ist es immer schön aus erster Hand über
die Ereignisse an anderen Hochschulen zu erfahren, e-Mails und
Indymedia können das nicht ersetzen. Allerdings hatte ich auch
ganz spezielle Vorstellungen, beispielsweise wollte ich ein paar
Mitstreiter für die Auseinandersetzung mit den geplanten
Umstrukturierungen beim Hochschulzugang und die Entwicklung von
Gegenkonzepten finden. Daraus wurde dann aber nichts...
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@page { size: 21cm 29.7cm; margin: 2cm }
P { margin-bottom: 0.21cm }
-->Schon in den Semesterferien war in NRW,
das im letzen Jahr noch tote Zone in Bezug auf Proteste gegen
Studiengebühren war, eine erste Protestwelle angerollt. In
Bielefeld war mehrere Wochen lang das Rektorat besetzt, bis es
gewaltsam geräumt wurde. Verletzt wurde niemand, die
Studierenden hatten das Rektorat angesichts der angedrohten Räumung
schon 48 Stunden vorher verlassen und vorher noch aufgeräumt und
geputzt – der Hochschulleitung und Polizei wurde natürlich
nicht Bescheid gesagt, so blieben noch zwei Tage Besetzung ohne
Besetzer und eine Räumung ohne Festnahmen oder blaue Flecken.
Am Anfang des Sommersemesters weitete
sich der Protest auf viele Hochschulen in NRW aus. In NRW bleibt es
den Hochschulen überlassen, ob sie Gebühren einführen
oder nicht. Senatssitzungen auf denen die Einführung beschlossen
werden sollte wurden von Studierenden so gut besucht, dass sie
abgebrochen wurden – Studiengebühren konnten nicht eingeführt
werden. Viele Rektorate wurden besetzt, meist von der Polizei wieder
geräumt. Auch in Schleswig Holstein wird über die Gebühren
diskutiert und dagegen protestiert, besonders stark in Kiel.
Im Hessen sind Studiengebühren in
der Landesverfassung verboten – aber natürlich gibt es
juristische Auswege, die Anfang des Sommersemesters vorgestellt
wurden. Damit sind die Gebühren und der Protest auch in Hessen
angekommen. In Frankfurt gingen spontan mehrere tausend Studierende
auf die Straße, die Planung weiterer Proteste läuft auf
Hochtouren.
Das tat sie dann auch beim
Vernetzungstreffen. Besonders die zahlreich aus NRW und Hessen
angereisten Studierenden hatten sich viel zu erzählen und viel
zu planen. Der Ablauf war dementsprechend zuerst etwas chaotisch –
ein Anfangsplenum nachts um 1 ist nicht so produktiv, wenn Bier in
der Nähe ist. Nachdem man sich auf Ablauf und Inhalte
(hauptsächlich Protestplanung) geeinigt hatte lief es aber ganz
gut. Es wurde viel über die Art der Proteste diskutiert. Der
normale Weg, mit Demos und ein paar kleineren Aktionen, ist ja in
Niedersachsen und Baden-Württemberg bereits gescheitert. Es
wurde natürlich viel auf Frankreich geschaut, schließlich
haben Proteste dort gerade den Rückzug des CPE bewirkt. Da eine
Delegation aus Straßburg anwesend war, konnte auch direkt
nachgefragt werden. Es stellte sich heraus, dass die Aktionsformen
eigentlich die gleichen sind. Demos, Aktionen in den Städten um
BürgerInnen zu informieren etc. Allerdings scheint in Frankreich
die Beteiligung größer zu sein, die Hürde auf eine
Demo mitzukommen scheint wesentlich kleiner zu sein. Auch die
Demoerfahrung scheint durchschnittlich größer zu sein, so
dass Polizeieinsätze die Demos schwerer stoppen können. Ein
wichtiger Punkt war wohl auch die gute Vernetzung zwischen
Studierenden, SchülerInnen, Gewerkschaften und anderen Gruppen.
Jede Gruppe allein hätte nie so ein Mobilisierungspotenzial
gehabt und nicht den nötigen Druck auf die Regierung ausüben
können. Jedenfalls war man sich relativ einig, dass die Proteste
auch hierzulande kraftvoller werden müssen und auch Aktionen wie
Straßenbesetzungen – wie vor kurzem in Marburg – wichtig
sind. Natürlich immer unter der Prämisse, dass man auch die
nötigen Informationsmaterialien dabei hat um die wartenden
Menschen aufzuklären, wieso sie warten müssen. Das Problem
mangelnder Presseberichte hat man jedenfalls nicht mehr, wenn es
kilometerlange Staus gibt. Und besonders vor der Fussball WM üben
solche Aktionen großen Druck auf die Politk aus, schließlich
schaut die halbe Welt zu.
Am Ende einigte man sich auf einige
Aktionstage mit verschiedenem Programm. Für den 17.05. wurden
kleinere dezentrale Aktionen angedacht, für den 31.05 größere,
wieder dezentrale, Aktionen. Am 28.6. sollen dann bundesweit zwei
Großdemos stattfinden, eine in Hamburg anlässlich des
Beschlusses des Gebührengesetzes, eine in Frankfurt. Dazwischen
soll es zahlreiche Aktionen an einzelnen Hochschulen geben. Um die
Vernetzung der Proteste zu verdeutlichen soll Gelb als Farbe des
Protests fungieren – eine Vorstellung die bei mir eher
Assoziationen der Uniformierung weckt als welche des Protests für
ein emanzipatorisches Bildungssystem. Aber es wird ja niemand
gezwungen mitzumachen und in BS gab's letztes Jahr auch rote statt
gelbe T-Shirts. Ob die Proteste Erfolg haben werden ist schwer zu
sagen, die Dynamik ist schwer vorherzusagen. Der erfolgreiche
Widerstand gegen das CPE in Frankreich dürfte bei vielen für
einen Motivationsschub sorgen. Informationen zu gelaufenen und
geplanten Aktionen findet ihr unter wiki.bildung-schadet-nicht.de.
Ihr könnt euch dort auch selbst einbringen und eigene Ideen
vorstellen.
Insgesamt war das Vernetzungstreffen
durchaus ein Erfolg, auch wenn für meinen Geschmack die
inhaltliche Arbeit, insbesondere das Entwickeln eigener Konzepte für
ein Bildungssystem, viel zu kurz kam. Aber für die Aktiven ist
es momentan auch am wichtigsten eine Bewegung aufzubauen und aufrecht
zu erhalten – ohne große Aktionen wird einen niemand fragen,
egal wie gut die Vorschläge sind. Die Argumente dürfen dann
aber auch nicht fehlen – was bei zu großem Aktionismus leider
oft passiert. Besonders vielversprechend für die Zukunft ist der
Kontakt nach Frankreich, der sich auf einem internationalen Treffen
am 20.-21.5. in Montpellier wohl noch verbessern wird. Es wird auf
jeden Fall noch einmal spannend was die Gebühren angeht,
zumindest in den Bundesländern, in denen sie noch nicht
eingeführt wurden. Wobei: Frankreich hat gezeigt, man kann
Gesetze auch wieder abschaffen ;-)
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