Das
Referat zur kritischen Betrachtung von Bildungssystemen hat eine
Pressemitteilung zu den neu herausgekommen Ergebnissen der letzten
PISA-Studie bezüglich sozialer Reproduktion herausgebracht.
Hier gibt es die ganze Pressemitteilung:
Die neuesten PISA-Ergebnisse bezeugen mal wieder die soziale
Ungleichheit in Bezug auf Bildungschancen im deutschen Schulsystem. Keine
weitere führende Industrienation der OECD hat solch gravierende Differenzen für
Kinder zwischen finanziell besser und schlechter gestellten
Erziehungsberechtigten und/oder deren Bildungsgrad vorzuweisen.
„In der Reproduktion sozialer
Ungleichheit und im Verschenken von Potentialen ist Deutschland Spitzenreiter
bei den Industrienationen! Dies ist nicht nur ein Problem der sozialen
Gerechtigkeit, sondern inzwischen auch eines der Wirtschaft.“ sagt der Referent zur kritischen Betrachtung von Bildungssystemen des AStA der TU
Braunschweig.
Und im Schönreden der neuesten PISA-Ergebnisse sind wir ebenso
gut. So bescheinigt die neueste OECD-Studie nur Ergebnisse, die bereits vor
Jahren von TIMMS, IGLU/E usw bescheinigt wurden. In der Öffentlichkeit kaum
beachtet, in der Fachwelt totgeredet, haben die neuesten Ergebnisse zwar breite
Medienpräsenz, wie schon die früheren PISA-Studien, doch ebenso schnell werden
die Ergebnisse wieder klein geredet. Während die Gewerkschaften sich in ihrer
Position bestätigt sehen, ist sich der Deutsche Philologenverband(DPhV)
nicht zu schade, die Misere auch noch schön zu reden.
„Die Bewertung der neuesten PISA-Ergebnisse zeigt mal
wieder, wie schwer es ist, das deutsche Schulsystem weiterzuentwickeln.
Wirkliche Verbesserungen sind nicht in Sicht, da die Bildungsdiskussion
politik- und nicht expertenabhängig ist. Vielleicht ist dies der wirkliche
Knackpunkt unseres Systems“, meint der Referent weiter.
Die sogenannten „Siegerländer“ der Studien reformieren ihr
Schulsystem schon seit Jahren unabhängig von der Politik. Die Weiterentwicklung
steht an oberster Stelle der Debatten, egal ob es nun um soziale Gerechtigkeit
oder das Nutzen von Potentialen geht. Die ist nicht nur in den skandinavischen
Ländern so, wo ein Wechsel von linker zu linkerer Politik gegenüber der
deutschen obligatorisch ist, sondern z. B. auch in England, wo traditionell
ebenso wie in Deutschland ein Wechsel von rechts nach links und umgekehrt
vorherrscht. Eine beständige Weiterentwicklung des Schulsystems kommt von daher
schon nicht zu Stande, da Bildung Ländersache ist und somit die
Landesregierungen nach einer gewonnen Wahl meist in eine andere Richtung
schwimmen. Die Übernahme funktionierender Konzepte aus den Siegeländern ist
allein schon vor diesem Hintergrund erheblich erschwert.
Kleine Leistungsverbesserungen im Vergleich zur letzten
PISA-Studie werden nun als Erfolge der Länderpolitik gefeiert, dabei steht für
die Wissenschaft bereits seit den 70er Jahren fest, dass die eigentlichem
Motoren der Entwicklung die Einzelschulen sind. Die Politik kann fast nur
Ressourcen vergeben, alles andere behindert die Weiterentwicklung sogar eher.
Aber auch bei den Ausgaben für Bildung liegt Deutschland mit Platz 20 von 28 im
OECD-Vergleich ganz weit hinten. Somit wird die nächste PISA-Studie wohl wieder
das gleiche ergeben, wahrscheinlich mit ebenso geringen Schwankungen, wie
zwischen den vorigen.
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